Senioren Union Kreisverband Ahrweiler lud zur Infoveranstaltung „Pflege“ ein — Erwin Rüddel MdB (CDU): Verbesserung der Pflegesituation bleibt eine wichtige politische Aufgabe

Die Senio­ren Uni­on Kreis­ver­band Ahr­wei­ler und der CDU- Kreis­ver­band Ahr­wei­ler ver­an­stal­te­ten einen Infor­ma­ti­ons­abend in Dernau mit dem The­ma „Pfle­ge in Deutsch­land – Ent­wick­lung und Her­aus­for­de­run­gen“. Der Vor­sit­zen­de der Senio­ren Uni­on Die­ter Lukas begrüß­te die zahl­reich erschie­ne­nen Senio­rin­nen, Senio­ren und inter­es­sier­ten Gäs­te. Die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des CDU- Kreis­ver­ban­des Ingrid Näkel-Sur­ges wünsch­te der Ver­an­stal­tung ein gutes Gelin­gen und wei­te­re gute Zusam­men­ar­beit mit der Senio­ren- Uni­on Kreis Ahr­wei­ler. In der Vor­re­de wies der Vor­sit­zen­de Lukas auf die Wich­tig­keit des The­mas für die Senio­ren hin und begrüß­te freu­dig den Haupt­re­fe­ren­ten Erwin Rüd­del MdB (CDU), Vor­sit­zen­der des Bun­des­tags­aus­schus­ses für Gesund­heit und als wei­te­ren Refe­ren­ten Mar­co Col­let, Lei­ter des Senio­ren­zen­trums „See­blick“ in Ulmen.

Erwin Rüd­del refe­rier­te über den all­ge­mei­nen Stand der Pfle­ge und über die vor­ge­se­he­nen Ver­bes­se­run­gen des Pfle­ge­per­so­nal-Stär­kungs­ge­setz, die in ers­ter Lesung im Bun­des­tag debat­tiert wur­den. Pro­gno­sen sagen vor­aus, dass sich die Zahl der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in Deutsch­land von zur­zeit 2,3 Mil­lio­nen auf 4 Mil­lio­nen und mehr bis 2035 erhö­hen wird. Hier­zu wer­den 13.000 neue Stel­len im sta­tio­nä­ren Bereich geschaf­fen. Rüd­del ver­merk­te, dass sich die­se Zahl noch um das Dop­pel­te erhö­hen wird, da im Bun­des­ge­biet etwa 12.000 Pfle­ge­ein­rich­tun­gen vor­han­den sind. Nach sei­ner Auf­fas­sung muss auch die Ent­loh­nung des Pfle­ge­per­so­nals erhöht wer­den, um den Beruf als Pfle­ger attrak­ti­ver zu machen. Um die neu­en Stel­len kurz­fris­tig zu beset­zen, sol­len Fach­kräf­te u.a. aus dem Aus­land ange­wor­ben wer­den, aber auch durch bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen län­ger in der Pfle­ge gehal­ten wer­den. Bes­se­re Pfle­ge kos­te eben auch. Des­halb müss­ten die Bei­trä­ge zur Pfle­ge­ver­si­che­rung 2019 um 0,5% ange­ho­ben wer­den. Die Digi­ta­li­sie­rung und Ver­net­zung soll in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode inten­si­viert wer­den. Damit kann mehr Zeit für die Pfle­gen­den frei wer­den für die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen. Die Doku­men­ta­ti­on belas­tet das Per­so­nal mit etwa 40 Pro­zent der Dienst­zeit.

Danach schil­der­te Mar­co Col­let die Erfah­run­gen aus der Pra­xis, die er bei vie­len Pfle­ge- Ein­rich­tun­gen gemacht hat. Er habe die Mit­ar­bei­ter als moti­vier­te und hin­ge­bungs­vol­le Men­schen ken­nen gelernt, die in ers­ter Linie ihre Arbeit mit den Pfle­ge­be­dürf­ti­gen sehen. Sei­ne Aus­sa­ge mün­de­te in der Erkennt­nis, dass zu wenig Per­so­nal vor­han­den ist, um die Her­aus­for­de­run­gen, tags­über und vor allem nachts zu bewäl­ti­gen. Aus sei­nen eige­nen Erfah­run­gen sind eine hohe Zahl der Pfle­ge­kräf­te durch Über­las­tung und Dau­er­stress aus­ge­zehrt. Col­let mahn­te die Bun­des­re­gie­rung an, die begon­ne­nen Ver­bes­se­rungs­vor­ha­ben im Pfle­ge­be­reich zügig anzu­ge­hen, zum Woh­le der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und zur wei­te­ren Moti­va­ti­on der Pfle­ger.

Nach den Vor­trä­gen konn­ten die Zuhö­rer Fra­gen stel­len. Zur Fra­ge „Pfle­ge macht arm“ nah­men bei­de Refe­ren­ten lan­ge Zeit zur Beant­wor­tung. Ver­bes­se­run­gen für die Pfle­ge­kräf­te dür­fen nicht dazu füh­ren, dass Pfle­ge­be­dürf­ti­ge noch mehr für ihre Pfle­ge zah­len müs­sen, als ohne­hin schon. Der Eigen­an­teil für Pfle­ge­heim­kos­ten liegt im Durch­schnitt bei ca.1.800€. Hat der zu Pfle­gen­de Ver­mö­gen, so ist die­ses zu ver­wen­den bis zu einem Betrag von 5000,-€. Die Lebens­leis­tung ist damit auf­ge­braucht. Die pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen inner­halb der eige­nen vier Wän­de sind eben­falls der Armut aus­ge­setzt. Die Pfle­ge ist ein Voll­zeit­job und neben­bei zu arbei­ten ist nicht mög­lich. Jeder 2. Pfle­ge­be­dürf­ti­ger wird von Ange­hö­ri­gen betreut. Die­se Tat­sa­che macht pfle­gen­de Fami­li­en­mit­glie­der zu einer wich­ti­gen Säu­le der Pfle­geland­schaft. Für vie­le Pfle­gen­de sind damit finan­zi­el­le und sozia­le Ein­schnit­te ver­bun­den.

Die Mehr­kos­ten müs­sen von der Pfle­ge­ver­si­che­rung und mit Steu­er­mit­tel aus­ge­gli­chen wer­den. Die Kos­ten­er­stat­tung nur über die Pfle­ge­ver­si­che­rung ist nicht mög­lich, da die Bei­trä­ge sich damit min­des­tens ver­dop­peln wür­den. Eine wei­te­re Fra­ge betraf die „Pfle­ge­kon­zer­ne“, die sich immer mehr ver­grö­ßern. Erwin Rüd­del gab an, dass die zehn größ­ten Kon­zer­ne rund 10 Pro­zent Markt­an­teil hät­ten. Die­se Ent­wick­lung wür­de beob­ach­tet. Ins­ge­samt war die Ver­an­stal­tung für die Senio­rin­nen und Senio­ren hoch inter­es­sant. Der Kreis­ver­band der CDU und der Senio­ren Uni­on Ahr­wei­ler bedank­ten sich bei bei­den Refe­ren­ten, die kom­pe­tent den Weg durch den Dschun­gel des Pfle­ge­the­mas frei mach­ten. Es wer­den noch vie­le Fra­gen zu lösen sein, eine wich­ti­ge gesell­schaft­li­che Auf­ga­be für die nächs­ten Jah­re.

2018-10-20T14:52:42+00:0020. Oktober 2018|