Nach­dem die ers­te Hit­ze­wel­le des Som­mers abge­klun­gen war, unter­nah­men Mit­glie­der der Senio­ren-Uni­on im Kreis Ahr­wei­ler eine Exkur­si­on nach Bonn. Ziel war die neue Dau­er­aus­stel­lung „Du bist Teil der Geschich­te“ im Haus der Geschich­te auf der Muse­ums­mei­le. Bevor die Grup­pe jedoch in die deut­sche Zeit­ge­schich­te seit 1945 ein­tauch­te, stand zunächst der Besuch des ehe­ma­li­gen Kanz­ler­bun­ga­lows auf dem Programm.
Nach der Sicher­heits­kon­trol­le ging es durch den Park mit den hohen alten Bäu­men, unter denen im beson­ders hei­ßen Som­mer 1967 auch die eine oder ande­re Kabi­netts­sit­zung statt­ge­fun­den haben soll – etwas, was man sich inzwi­schen auf Grund der ver­än­der­ten Sicher­heits­la­ge über­haupt nicht mehr vor­stel­len kann – zum ehe­ma­li­gen pri­va­ten Wohn­sitz und reprä­sen­ta­ti­ven Emp­fangs­ge­bäu­de der deut­schen Regie­rungs­chefs von Lud­wig Erhard bis Hel­mut Kohl. Ein schmuck- und schnör­kel­lo­ser Flach­bau, dunk­ler Beton, dunk­les Holz, jedoch trans­pa­rent durch die gro­ßen Fens­ter und Glas­tü­ren, als bewuss­te Absa­ge an die Monu­men­ta­li­tät der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Archi­tek­tur. Aber auch die Spar­sam­keit der Nach­kriegs­jah­re spiel­te eine Rol­le bei der etwas kar­gen Kon­zep­ti­on des Gebäu­des. Für eine Sau­na hat­te man jedoch noch Platz gefun­den, so dass dort spä­ter die berühm­ten Sau­na­ge­sprä­che zwi­schen Hel­mut Kohl und Boris Jel­zin im Rah­men der Deut­schen Wie­der­ver­ei­ni­gung statt­fin­den konn­ten. Die ori­gi­nal erhal­te­ne Ein­rich­tung sowie die beglei­ten­de Aus­stel­lung ver­mit­tel­ten einen authen­ti­schen Ein­druck vom poli­ti­schen All­tag der Bon­ner Republik.
Im Anschluss besuch­te die Grup­pe die neu gestal­te­te Dau­er­aus­stel­lung im Haus der Geschich­te. Nach einer umfas­sen­den Moder­ni­sie­rung prä­sen­tiert sich das Muse­um heu­te zeit­ge­mäß, inter­ak­tiv und mul­ti­me­di­al. Bereits im Ein­gangs­be­reich wer­den die Besu­che­rin­nen und Besu­cher Teil der Aus­stel­lung: Eige­ne, live auf­ge­nom­me­ne Sil­hou­et­ten ver­schmel­zen auf einer gro­ßen Medi­en­wand mit his­to­ri­schen Film­se­quen­zen. Mal kann man vir­tu­ell auf der Ber­li­ner Mau­er von 1989 tan­zen, mal steht man mit­ten im Trüm­mer­feld der Nachkriegszeit.
Die Aus­stel­lung führt chro­no­lo­gisch durch die deut­sche Geschich­te seit 1945 und ver­bin­det poli­ti­sche Ereig­nis­se mit den Lebens­ge­schich­ten ganz nor­ma­ler Men­schen. Sie zeigt ein­drucks­voll, wie eng per­sön­li­che Erfah­run­gen und gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen mit­ein­an­der ver­knüpft sind.
Der Rund­gang beginnt mit der Nach­kriegs­zeit und dem müh­sa­men Wie­der­auf­bau Deutsch­lands. Inter­ak­ti­ve Kar­ten – so kann man über Post­leit­zah­len erfor­schen, wie es am eige­nen heu­ti­gen Wohn­ort direkt nach dem Krieg aus­sah – und Zeit­zeu­gen­be­rich­te ver­deut­li­chen die Her­aus­for­de­run­gen die­ser Jahre.
In den 1950er und 1960er Jah­ren prall­ten die Wel­ten des Kal­ten Krie­ges auf­ein­an­der. Auf der einen Sei­te der Auf­stand vom 17. Juni 1953 in der DDR, auf der ande­ren das west­deut­sche Wirt­schafts­wun­der, sym­bo­li­siert durch Hei­mat­fil­me wie das „Schwarz­wald­mä­del“. Span­nend ist der direk­te Ver­gleich der Indus­tria­li­sie­rung: Die Aus­stel­lung stellt die Ent­wick­lung von Wolfs­burg  und Sta­lin­stadt, heu­te Eisen­hüt­ten­stadt, ver­glei­chend gegen­über. Auch die „kuli­na­ri­sche Revo­lu­ti­on“ durch die ers­ten Gast­ar­bei­ter und neue Kon­sum­gü­ter wer­den über Ori­gi­nal­ob­jek­te greif­bar wie z.B. das Zünd­app-Moped, das der mil­li­ons­te Gast­ar­bei­ter 1964 als Begrü­ßungs­ge­schenk erhielt.
Ein wei­te­rer Schwer­punkt liegt auf den gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen der 1970er- und 1980er-Jah­re: Stu­den­ten­be­we­gung, Frau­en­rech­te, Umwelt­be­wusst­sein und Pop­kul­tur sind eben­so The­men wie der ganz nor­ma­le All­tag bei­der deut­scher Staaten.
Mit der Fried­li­chen Revo­lu­ti­on von 1989 und der Wie­der­ver­ei­ni­gung erreicht die Aus­stel­lung ihren his­to­ri­schen Wen­de­punkt, ver­schweigt aber auch die Her­aus­for­de­run­gen der Nach­wen­de­zeit nicht.
Beson­ders viel Raum erhält die jüngs­te Ver­gan­gen­heit. Digi­ta­li­sie­rung, Migra­ti­on, Kli­ma­wan­del, die Coro­na-Pan­de­mie oder aktu­el­le gesell­schaft­li­che Debat­ten zei­gen, dass Geschich­te nicht mit der Wie­der­ver­ei­ni­gung ende­te, son­dern bis in die Gegen­wart reicht. Damit macht die Aus­stel­lung deut­lich, dass jede Gene­ra­ti­on Geschich­te mitgestaltet.
Beein­dru­ckend ist vor allem das moder­ne Aus­stel­lungs­kon­zept. Neben zahl­rei­chen Ori­gi­nal­ex­po­na­ten sor­gen Hör­sta­tio­nen, Fil­me, inter­ak­ti­ve Medi­en­ti­sche und digi­ta­le Ange­bo­te für einen abwechs­lungs­rei­chen Rund­gang. Immer wie­der wer­den die Besu­cher dazu ange­regt, sich selbst Fra­gen zu stel­len: Wel­che Wer­te sind mir wich­tig? Wie hät­te ich in bestimm­ten his­to­ri­schen Situa­tio­nen gehan­delt? Wel­che Ver­ant­wor­tung trägt jeder Ein­zel­ne für Demo­kra­tie und gesell­schaft­li­chen Zusammenhalt?
Die Teil­neh­mer der Senio­ren-Uni­on zeig­ten sich beein­druckt von der gelun­ge­nen Ver­bin­dung aus his­to­ri­scher Infor­ma­ti­on und moder­ner Prä­sen­ta­ti­on. Der Besuch mach­te deut­lich, dass Geschich­te nicht nur aus gro­ßen poli­ti­schen Ereig­nis­sen besteht, son­dern vor allem aus den Erfah­run­gen und Ent­schei­dun­gen der Men­schen. Mit vie­len neu­en Ein­drü­cken trat die Grup­pe schließ­lich die Heim­rei­se an. Einig war man sich dar­über, dass das Haus der Geschich­te mit sei­ner neu­en Dau­er­aus­stel­lung einen ein­drucks­vol­len Lern- und Erin­ne­rungs­ort geschaf­fen hat, der Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft auf über­zeu­gen­de Wei­se mit­ein­an­der verbindet.