Geschichte, Humor und Rheinromantik: Die Mitglieder der Senioren-Union Kreis Ahrweiler erlebten bei ihrem Ausflug nach Koblenz einen abwechslungsreichen Tag mit vielen besonderen Eindrücken. 

Nach den lan­gen Wochen gro­ßer Hit­ze zeig­te sich der Spät­som­mer von sei­ner bes­ten Sei­te. Bei ange­neh­men 23 Grad und Schäf­chen­wol­ken star­te­ten die Mit­glie­der der Senio­ren-Uni­on Kreis Ahr­wei­ler zu ihrer Koblenz-Fahrt. Auf dem Pro­gramm stan­den eine his­to­ri­sche Stadt­füh­rung, gemein­sa­mes Mit­tag­essen und zum Abschluss eine zwei­stün­di­ge Bur­gen­rund­fahrt auf dem Rhein. Als kun­di­ger und unter­halt­sa­mer Beglei­ter konn­te das bekann­te Koblen­zer Ori­gi­nal Hans-Wer­ner Seul gewon­nen werden.
Ers­te Sta­ti­on war die Basi­li­ka St. Kas­tor am Rhein­ufer. Die im Jahr 836 geweih­te Kir­che ist die ältes­te erhal­te­ne Kir­che Koblenz‘ und zugleich ein bedeu­ten­der Ort euro­päi­scher Geschich­te. Im Jahr 842 tra­fen sich hier die Enkel Karls des Gro­ßen, die Söh­ne Lud­wigs des From­men. Ihre Ver­hand­lun­gen berei­te­ten die spä­te­re Tei­lung des Frän­ki­schen Rei­ches vor, die im Ver­trag von Ver­dun besie­gelt wur­de. Damit wur­de St. Kas­tor zu einem Ort, an dem euro­päi­sche Geschich­te geschrie­ben wurde.
Aber auch die Fröm­mig­keit der Men­schen jener Zeit spie­gel­te sich hier wider: Die seli­ge Riz­za, der Legen­de nach eine Toch­ter Kai­ser Lud­wigs des From­men, soll täg­lich tro­cke­nen Fußes über den Rhein gegan­gen sein, um in St. Kas­tor zu beten. Sie wur­de 1275 von Papst Gre­gor X. selig­ge­spro­chen. Ihr Schrein befin­det sich bis heu­te in der Basilika.
Nicht weni­ger inter­es­sant ist der Kas­tor­brun­nen vor der Kir­che. Der 1812 von der fran­zö­si­schen Ver­wal­tung errich­te­te Brun­nen soll­te an Napo­le­ons ver­meint­lich erfolg­rei­chen Russ­land­feld­zug erin­nern. Doch der Feld­zug ende­te bekannt­lich in einer Kata­stro­phe. Als rus­si­sche Trup­pen Anfang 1814 in Koblenz ein­mar­schier­ten, bewies deren Stadt­kom­man­dant Humor: Er ließ die fran­zö­si­sche Inschrift ste­hen und ergänz­te sie um einen eige­nen Ver­merk, der sinn­ge­mäß lau­te­te: „Gese­hen und geneh­migt durch den rus­si­schen Kom­man­dan­ten der Stadt Koblenz.“ So wur­de der Brun­nen unfrei­wil­lig zu einem Denk­mal für Napo­le­ons Niederlage.
Wei­ter ging es zum Deutsch­her­ren­haus am Zusam­men­fluss von Rhein und Mosel. Die ehe­ma­li­ge Nie­der­las­sung des Deut­schen Ordens beher­bergt heu­te das Lud­wig Muse­um mit zeit­ge­nös­si­scher, vor­wie­gend fran­zö­si­scher Kunst. Nur weni­ge Schrit­te ent­fernt lock­te die Koblen­zer Seil­bahn mit ihren Pan­ora­ma­ka­bi­nen, die das Rhein­ufer mit der Fes­tung Ehren­breit­stein ver­bin­det. Viel­leicht ein Ziel für eine spä­te­re Tagesfahrt?
Nach einem gemein­sa­men Mit­tag­essen auf einer Ter­ras­se am Rhein­ufer setz­te die Grup­pe die Stadt­be­sich­ti­gung fort. Die Lieb­frau­en­kir­che mit ihren mar­kan­ten Zwie­bel­tür­men, der Jesui­ten­platz mit dem heu­ti­gen Rat­haus und der Gör­res­platz mit sei­ner über zehn Meter hohen His­to­ri­en­säu­le waren wei­te­re Sta­tio­nen. Hans-Wer­ner Seul ver­stand es dabei, his­to­ri­sche Fak­ten mit Geschich­ten und Anek­do­ten zu ver­bin­den und die Ver­gan­gen­heit der Stadt auf unter­halt­sa­me Wei­se leben­dig wer­den zu lassen.
Beson­ders viel Auf­merk­sam­keit erhielt der Schän­gel­brun­nen im Rat­haus­hof. Der Koblen­zer Schän­gel ist längst zum Wahr­zei­chen der Stadt gewor­den. Sei­ne Geschich­te reicht in die fran­zö­si­sche Zeit Koblenz‘ zurück. Aus dem fran­zö­si­schen Namen Jean ent­wi­ckel­te sich im Koblen­zer Dia­lekt „Schang“ und schließ­lich „Schän­gel“. Was ursprüng­lich spöt­tisch gemeint war, gilt heu­te als Aus­druck des Stol­zes auf die Stadt. Die klei­ne Bron­ze­fi­gur sorgt zudem regel­mä­ßig für Über­ra­schun­gen: In unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den spuckt sie einen kräf­ti­gen Was­ser­strahl auf ahnungs­lo­se Pas­san­ten – ganz im Sin­ne des rhei­ni­schen Humors.
Natür­lich durf­te auch das Deut­sche Eck nicht feh­len. Am Zusam­men­fluss von Rhein und Mosel erläu­ter­te Seul die Geschich­te des Kai­ser-Wil­helm-Denk­mals, das 1897 ein­ge­weiht wur­de. Das ursprüng­li­che Rei­ter­stand­bild wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört. Heu­te erin­nert die Rekon­struk­ti­on wie­der weit­hin sicht­bar an die wech­sel­vol­le Geschich­te des Ortes.
Nach meh­re­ren Stun­den vol­ler Geschich­te waren die Bei­ne zwar etwas müde, doch die Teil­neh­mer hät­ten Hans-Wer­ner Seul ger­ne noch län­ger zuge­hört. Mit sei­nen Anek­do­ten, sei­nem Humor und dem typi­schen Kowe­len­zer Ton­fall hat­te er die Geschich­te der Stadt auf beson­de­re Wei­se vermittelt.
Zum Abschluss des ereig­nis­rei­chen Tages ging es an Bord zur zwei­stün­di­gen Bur­gen­rund­fahrt rhein­ab­wärts. Bei wie­der etwas gestie­ge­nem, wenn auch noch nied­ri­gem Was­ser­stand führ­te die Fahrt vor­bei am Kur­fürst­li­chen Schloss, dem his­to­ri­schen Wein­dorf, der Lahn­mün­dung, Burg Lahn­eck, Schloss Stol­zen­fels, Mar­tins­burg und der Marks­burg bei Brau­bach. Vom Schiff aus boten sich noch ein­mal beein­dru­cken­de Bli­cke auf die Land­schaft und die his­to­ri­schen Bau­wer­ke ent­lang des Rheins.
So ging ein rund­um gelun­ge­ner Spät­som­mer­tag zu Ende. Schö­nes Wet­ter, inter­es­san­te Geschich­te, beein­dru­cken­de Bau­wer­ke und eine stim­mungs­vol­le Schiff­fahrt mach­ten die Koblenz-Fahrt zu einem Erleb­nis, an das sich die Teil­neh­mer ger­ne erin­nern werden.